Welche Rolle spielen psychologische Faktoren auf die Gesundheit?

Lange Zeit wurde bei der Entstehung von Krankheiten der Fokus auf die körperlichen, biologischen und physikalischen Ursachen gelegt. Mittlerweile zeigte die Wissenschaft, dass soziale und psychologische Faktoren einen gleichwertigen Einfluss auf die Gesundheit haben, wie das biopsychosoziale Modell zeigt (1). Soziale Faktoren stellen dabei z. B. das soziale Netzwerk, das Arbeitsverhältnis und Gesellschaftswerte dar. Zu psychologischen Faktoren zählen beispielsweise Denkmuster, Bewältigungsstrategien und Emotionen.
In diesen Zeiten liegt der Fokus wieder stark auf dem körperlichen Aspekt – speziell auf den Risiken einer Infektion mit dem Covid-19-Virus – und es werden diesbezüglich Maßnahmen getroffen.
Diese Maßnahmen wirken sich wiederum auf unsere Lebenssituation aus.
Und somit auch auf unsere Gesundheit.
  • Die Überlastung der alleinerziehenden Mutter Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut zu bringen.
  • Die Verzweiflung des Kellners seine Job verloren zu haben und keinen neuen zu finden.
  • Die Einsamkeit der Studentin nach Monaten niemanden außerhalb der eigenen vier Wände zu sehen.
Vielleicht denkst du im ersten Moment, was das denn im Vergleich zu einer Virusinfektion sei. Aber auch solche Lebenssituationen können schwerwiegende psychische und physische Folgen nach sich ziehen.
Nehmen wir die Überlastung eines alleinerziehenden Elternteils, welches das Kind beim Homeschooling betreut. Wer langanhaltend Stress empfindet, hat eine höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen (2), Nierenerkrankungen (3), Darmproblemen (4) sowie für Depressionen (5) und Angststörung (6). Gehen wir noch ein drastisches Stück weiter: 10 bis 15% der Betroffenen mit einer schweren Depression nehmen sich irgendwann das Leben. Fast die Hälfte begeht einen Selbstmordversuch (7).
Das bedeutet nicht, dass es immer so abläuft, sondern soll darstellen, welche Auswirkungen psychische Belastung (z. B. Stress) haben kann.
Wir sind davon überzeugt, dass alle Aspekte von Gesundheit einen gleichen Stellenwert haben sollten.
Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Gefühle und seine Betroffenheit sollten respektiert und unterstützt werden.

Quellen:

(1) Egger, Josef. (2018). Das biopsychosoziale Modell. Bulletin des Médecins Suisses. 10.4414/bms.2018.06861.

(2) Fisher, J. P., Young, C. N., & Fadel, P. J. (2009). Central sympathetic overactivity: maladies and mechanisms. Autonomic Neuroscience, 148(1-2), 5-15.

(3) Kaur, J., Young, B. E., & Fadel, P. J. (2017). Sympathetic overactivity in chronic kidney disease: consequences and mechanisms. International journal of molecular sciences, 18(8), 1682.

(4) Pellissier, S., Dantzer, C., Mondillon, L., Trocme, C., Gauchez, A. S., Ducros, V., … & Bonaz, B. (2014). Relationship between vagal tone, cortisol, TNF-alpha, epinephrine and negative affects in Crohn’s disease and irritable bowel syndrome. PloS one, 9(9), e105328.

(5) Slavich, G. M., & Irwin, M. R. (2014). From stress to inflammation and major depressive disorder: a social signal transduction theory of depression. Psychological bulletin, 140(3), 774.

(6) Dantzer, R. (2018). Neuroimmune interactions: from the brain to the immune system and vice versa. Physiological reviews, 98(1), 477-504.

(7) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Unipolare Depression – Nationale Versorgungs-Leitlinie, Download: http://www.awmf.org, Zugriff August 2019.